Schattenkrieger I

Theater im Klassenraum

“Ein Theaterstück über die Schwierigkeiten der Selbstfindung und deren Behauptung sowie den Mut, zu eigenen Stärken und Schwächen zu stehen (für 3. bis 6. Klassen)”

 

Stückbeschreibung

Die Lehrerin oder der Lehrer beschäftigt die Klasse zu Beginn der Stunde mit einer Aufgabe. Die Klasse ist im Vorfeld informiert worden, dass in der nächsten Zeit ein Theaterstück in der Klasse gezeigt wird. Die SchülerInnen wissen aber nicht zu welchem Zeitpunkt das Stück gezeigt wird. Zu Beginn des Stückes tritt die Lehrerin oder der Lehrer langsam in den Hintergrund der Klasse und verfolgt das Geschehen aus der beobachtenden Rolle.

Phan platzt verstört in die Klasse und behauptet, sie hat dort etwas verloren. Sie beginnt, unter Tischen und Stühlen danach zu suchen.

 

Im Verlauf des Stücks erfahren die Zuschauenden, dass Phan häufiger allein ist, keine echten Freunde hat und gemobbt wird. Dafür trägt sie ein großes Repertoire an fantastischen Geschichten mit sich, die sie einerseits schützen, andererseits aber auch von der realen Welt abgrenzen. Phan behauptet, dass all diese Geschichten wahr sind und sie sie selbst erlebt hat. Ihre Geschichten sind ihr Schatz, bringen ihr aber auch den Ruf ein, eine Spinnerin zu sein. Diese Ablehnung veranlasst sie, noch tiefer in ihre Geschichten einzutauchen.

Mob stürzt kurz danach wutentbrannt in die Klasse und macht überdeutlich, dass er Phan sucht und finden muss. Er fragt gleich zu Beginn, ob sie schon “irgendetwas erzählt” hat. Dann entdeckt er Phan.

Im weiteren Spielverlauf wird deutlich, dass Mob etwas zu verbergen sucht. Falls sein Geheimnis gelüftet wird, könnte sein Image, an dem er täglich arbeitet, stark beschädigt werden. Mob ist der coole, überlegene Typ, der bewundert werden will. Hinter seinen witzig-lockeren Sprüchen verbirgt sich aber die Angst, alleine dazustehen. Er weiß genau, dass das nicht so schnell passiert, wenn er sich auf die Seite der vermeintlich Stärkeren stellt.

Ein Stück,

das die Poesie von erfundenen Geschichten erlebbar macht,
das die Klasse direkt ins Geschehen mit einbezieht – ob als Schutz für Phan oder Komplizin von Mob,
das Identifikationsmöglichkeiten auf beiden Seiten bietet – schwarz/weiß gibt es nicht,
das bewusst offen lässt, wie es mit den Figuren langfristig weitergeht und viele Anknüpfungspunkte für die theaterpädagogische Arbeit bietet.

Technische Voraussetzungen: keine (übliches Klassenzimmer)
Stücklänge: ca. 40 Minuten

Das Stück “Schattenkrieger” wurde vom PISAK-Theater geschrieben. Die Inszenierungs- und Aufführungrechte liegen allein beim PISAK-Theater. Die Geschichten von Phan sind inspiriert durch Kurzgeschichten von Christine Nöstlinger.

 

Nachbereitung

Für uns steht die Anerkennung der Einzigartigkeit jedes Kindes und das gemeinsame kreative Erleben der Gruppe im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Bei der Inszenierung des Stückes legen wir Wert darauf, dass beide Figuren den Kindern Identifikations- möglichkeiten bieten: Phan, die sich auf fantasievolle aber auch bizarre Weise ihre eigene Welt kreiert und Mob, der Situationen schnell überblickt und für sich zu nutzen weiß; das allerdings auf Kosten der anderen.

Die Kinder werden animiert, aktiv am Konflikt zwischen Phan und Mob teil zu haben und Stellung zu beziehen. Dabei thematisieren wir auch Gruppenzwänge und Ausgrenzung, wesentliche Bestandteile von MOBBING.

Das Motiv unserer theaterpädagogischen Arbeit ist es, sowohl dem Ausdruck der eigenen Individualität der Kinder, als auch ihrem Bedürfnis nach Akzeptanz in der Gruppe gerecht zu werden.

 

Auschnitt aus Quarks und Co.:

“Mobbing: 7 Dinge, die Sie wissen sollten…” ?

„Mobbing beeinträchtigt nicht nur die psychische und physische Gesundheit
sowie die soziale und schulische Entwicklung der Betroffenen. Mobbing hat auch
für die ganze Gesellschaft massive Konsequenzen: Es beeinträchtigt die Effizienz
unseres Bildungswesens, verursacht Kosten für unser Gesundheitswesen,
unser Sozialwesen sowie das Justizsystem und reduziert spätere Arbeitsleistung,
Produktivität und Innovation.“

(Kandersteger Deklaration gegen Mobbing unter Kindern und Jugendlichen)

Was ist Mobbing?

Mobbing ist eine subtile Form von Gewalt. Mit Mobbing wird keine einzelne Tat, sondern eine Vielzahl von wiederkehrenden Angriffen gekennzeichnet.

– Das Mobbinggeschehen dauert über einen längeren Zeitraum (mindestens einmal pro Woche über mindestens sechs Monate).
– Mobbinghandlungen können verbale Attacken, physische und auch psychische Gewalt umfassen. Sie können direkt oder indirekt erfolgen.
– Zwischen Täter und Opfer besteht ein Machtgefälle.
– Das Opfer kann sich aus eigener Kraft nicht zur Wehr setzen, also das Mobbinggeschehen selbst beenden.
– Das Mobbinggeschehen ist ein Gruppengeschehen (Klassengeschehen), bei dem alle Gruppenmitglieder in verschiedenen Rollen beteiligt sind. Mobbing lässt sich schwer messen, weil die Umfragen verschiedene Definitionen anwenden, zudem müssen sich Studien auf Selbsteinschätzungen der Betroffenen verlassen. Dennoch
lassen sich einige Erkenntnisse zu Verbreitung und Praxis von Mobbing festhalten.
– Mobbinghandlungen an weiterführenden Schulen kommen in nahezu jeder Schulklasse vor. Untersuchungen gehen davon aus, dass ca. 7 – 12 Prozent der Schüler*innen gemobbt werden.
– Jüngere Schüler*innen werden vorwiegend körperlich schikaniert, ältere zunehmend durch indirekte Formen.
– Jungen wählen als Mobber direkte Methoden, Mädchen stattdessen indirekte.
– Jungen sind öfter als Mädchen Mobber oder deren Unterstützer.
– Mädchen verteidigen häufiger Mobbingopfer als Jungen.
– Mobbing in der Schule kommt auch zwischen Lehrkräften untereinander sowie zwischen Lehrkräften und Schüler*innen vor.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung